Die häufigten Fehler bei der Pferdefütterung

Die häufigsten Fehler Bei der Pferdefütterung

von Carolin Caprano

Beim Pferd ist der Verdauungstrakt, auf die Verwertung von pflanzlichem Futter ausgerichtet. Dabei geht die überwiegende mikrobielle Tätigkeit in den großen Darmbereichen des Blinddarms und des Grimmdarms vonstatten.

Die Verdauung beginnt aber schon im Maul des Pferdes, wobei das Futter mit den Schneidezähnen abgebissen und mit den Backenzähnen zermahlen wird. Da die Rohfaser den gesamten Dünndarm passieren muss, ist es äußerst wichtig, dass das Futter deshalb schon gut zerkleinert wurde. Andernfalls würden schnell Probleme bei der Passage aufkommen.

 

Auch führt zu wenig Kautätigkeit oder fehlerhafte Zahnstellung dazu, dass sich schnell sogenannte Zahnhaken bilden. Eine ausgeprägte Kautätigkeit regt zudem den so wichtigen Speichelfluss an. Fehlt dieser bzw. ist nicht in ausreichender Menge vorhanden wird der Transport durch die Speiseröhre erheblich schwieriger und auch im Magen würde die enzymatische Verdauung erschwert.

Der durch den Speichel regulierte pH-Wert begünstigt nämlich auch die mikrobielle Umsetzung, die am Mageneingang erfolgt. Diese verbessert wiederum die Passage der Rohfaser zum Blind- und Dickdarm und führt zu einem geringen Abbau von leicht zugänglichen Kohlenhydraten.

 

Da Pferde im Vergleich zu ihrer Größe einen sehr kleinen Magen haben, ist es noch wichtig zu erwähnen, dass dieser nicht überladen wird, wie zum Beispiel bei der Fütterung von quellenden Futtermitteln wie Trockenschnitzeln (wenn diese vorher nicht ausreichend eingeweicht wurden).

Bei der Fütterung ist zu beachten, dass das Pferd einen bestimmten Bedarf an Energie, Protein, Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen hat. Auf die Versorgung mit strukturierter Rohfaser, wie schon erklärt, ist in besonderem Maße zu achten.

Um beim Pferd eine ausreichende Kautätigkeit zu erreichen und somit einen reibungslosen Verdauungsablauf zu gewährleisten, muss eine bedarfsgerechte Ration mindestens 18% Rohfaser enthalten.

 

Messwert für die Energieversorgung ist die sogenannte „verdauliche Energie“, die aus den Rohnährstoffen der Futtermittel und deren Verdaulichkeiten geschätzt wird. Berechnet wird dabei aus dem verdaulichem Rohprotein.

Der Nährstoffbedarf der Pferde setzt sich aus Erhaltungs- und Leistungsbedarf zusammen. Der Erhaltungsbedarf ist zunächst eine Funktion des Gewichts. Die Leistung beim Pferd kann sich aus verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel Wachstum, Milchleistung oder Bewegungsleistung zusammensetzen.

Der Leistungsbedarf muss dabei mehr subjektiv eingeschätzt werden. Der Leistungsbedarf ist nämlich auch sehr stark von individuellen Faktoren geprägt: das Temperament, das Nervenkostüm, die Routine und der Trainingszustand etc. sind solche Faktoren, die bei der Bedarfserrechnung nicht ohne Berücksichtigung bleiben sollten. Jede Person, die sich um die Fütterung kümmert, sollte deshalb auch die Arbeitsleistung des jeweiligen Tieres richtig einschätzen können.

 

Viele übliche Rationen, mit gängigen Futtermitteln haben oft eine über dem Bedarf liegende Proteinversorgung. Die Pferde werden dadurch jedoch unnötig belastet. Bei einer solch erhöhten Proteinzufuhr wird das Protein dann als Energiequelle eingesetzt und der Stoffwechsel, der dadurch zur energieaufwendigen Transformation und Stickstoffausscheidung gezwungen wird, unnötig strapaziert.

Bei der Aufnahme von mehr als 2 g verdaulichem Rohprotein pro kg Lebendmasse muss mit erhöhtem Wasserumsatz und Anstieg der Serum-Harnstoff-Konzentration, aber auch mit Störungen im Verdauungskanal oder des Mineralstoffhaushaltes gerechnet werden. Auch das Leistungsvermögen wird dadurch reduziert.

Fehler in der Fütterung können dabei die verschiedensten Ursachen und eben auch Folgen haben:

  • Koliken : z.B. durch Fehler in der Futtermittelauswahl, schlecht Futterqualität
  • Magenüberladung : z.B. durch zu viel Kraftfutter oder quellende Futtermittel
  • Durchfall : z.B. durch gestörte Darmflora
  • Zahnprobleme : z.B. durch zu wenig Rauhfutter bzw. zu wenig Kautätigkeit
  • Hufrehe : z.B. durch zu viel Zucker, Stärke, Fruktan
  • Mangelerscheinungen : z.B. durch zu wenig Mineralstoffe
  • „Langeweile“ : z.B. durch zu wenig Rauhfutter bzw. dadurch zu wenig „Beschäftigung“

...um nur einen Überblick der häufigsten Probleme zu geben, die bei Fütterungsfehlern entstehen können.

 

Natürlich gibt es noch viel mehr zum Thema Fütterung, was beachtet werden muss, wie unter anderem das Calcium-Phosphor-Verhältnis, das Verhältnis von verdaulichem Rohprotein und verdaulicher Energie oder der Rohfaser in der Trockenmasse. Das alles würde aber diesen Rahmen sprengen.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch einmal darauf hinweisen, wie sinnvoll ein Rations-Check für Ihr Pferd sein kann. Oft wissen wir gar nicht, was genau alles im Futter drinsteckt, das wir eigentlich mit bestem Wissen und Gewissen unseren Pferden täglich geben wollen. Nur durch eine umfassende Analyse der einzelnen Futterkomponenten im Zusammenhang mit dem Bedarf des jeweiligen Pferdes kann ein Mangel an z.B. Rohfaser oder ein Überschuss an z.B. Eiweiß aufgedeckt und korrigiert werden...

Um den Mineral- und Spurenelemte-Haushalt genauestens zu überprüfen bietet sich, neben Blutuntersuchungen, vor allem eine Fell-Mineralanalyse an: Mineralstoffbedarf und –Verwertung, Schwermetallbelastung und Stoffwechselstörungen können dabei optimal überprüft werden. Im Gegensatz zu einer Blutuntersuchung können bei der Haarmineralanalyse all diese Faktoren über einen langen Zeitraum gemessen werden, da das Fell, genau wie Hufe, längerfristige Informationen zur Nahrung, Toxinen, Mineralstoffen etc. speichert.

 

(enthält Informationen nach LfL)

 

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