Ist mein Pferd zu dick?

Ist mein Pferd zu dick?

von Carolin Caprano

Mittels Besichtigung und Palpation des Pferdes beurteilt man Größe und Gewicht. Es handelt sich bei der Beurteilung um den sogenannten BCS (Body Condition Score).

Die Rippen sollten dabei zu tasten, aber nicht zu sehen sein. Dies bezeichnet das Fettdepot, welches unter der Haut gespeichert ist.

Sind die Rippen und andere Knochenteile sowohl stark tastbar, als auch sichtbar kann man von Untergewicht des Pferdes ausgehen. Sind dagegen die Rippen weder sichtbar noch mit den Händen zu erfühlen und sind deutliche Fettdepots z. B. am Mähnenkamm zu erkennen, so kann man von Übergewicht des Pferdes ausgehen.

 

Natürlich sollten hier auch rassespezifische Eigenschaften entsprechend berücksichtigt werden. So haben Rassen wie Norweger und Friesen von Natur aus deutlich mehr Kammfett als z. B. Vollblutpferde.

Auch bei Hengsten resultiert ein hoher Kamm aus einer entsprechenden Verteilung des Unterhautfetts und muss daher, ebenso wie das subkutane Fett anderer Körperbereiche bei der Beurteilung abweichend beurteilt werden. Bei den Quarterhorses wiederrum sind die Hüfthöcker auch im „Normalzustand“ meist nicht tastbar, da sie recht schnell von gut ausgebildeter Muskulatur überdeckt werden. Auch hier müssen solche Punkte anders beurteilt und im Gesamtbild berücksichtig werden.

 

Der Bauch wird bei der Beurteilung nicht mit einbezogen, da es zu viele verschiedene Faktoren für einen „dicken Bauch“ gibt. Zum Beispiel die Aufnahme großer Mengen Heu, Stroh oder Gras kann ein Faktor sein, ebenso wie schlaffe Bauchmuskulatur. Sodass auch ansonsten magere oder gar unterernährte Pferde einen dicken Bauch haben können.

Bei älteren bzw. alten Pferden wird die Anwendung des BCS jedoch schwierig. Bekommen die Pferde einen Senkrücken ragt z. B. auch der Widerrist weiter heraus, die Wirbelsäule wird sichtbarer. Die gesamte Muskulatur kann zudem stark abnehmen.

 

Erste Einteilung des Pferdes in Gewichtskategorien. Diese grobe Übersicht, kann dabei helfen, das Gewicht des eigenen Pferdes besser einzuschätzen:

 

zu mager

 

  • sehr dünner Hals

  • deutlich hervortretende Rippen

  • stark hervortretende Beckenknochen mit tiefen Gruben seitlich des Schweifes

mager

 

  • dünner Hals

  • gut erkennbare Rippen

  • sichtbare Beckenknochen mit deutlichen Gruben seitlich des Schweifes

dünn

 

  • schlanker/schmaler Hals

  • schwach sichtbare Rippen

  • abgerundet Kruppe mit geringen Gruben seitlich des Schweifes

normal

 

  • noch keine Kammbildung (außer Hengste)

  • leicht tastbare Rippen

  • leicht tastbare Hüfthöckern mit runder Kruppe

fett

 

  • leichte Kammbildung

  • nur mit Druck tastbare Rippen und beginnende Rinnenbildung am Rücken

  • nur mit Druck tastbare Hüfthöcker und beginnende Rinnenbildung auf der Kruppe

zu fett

 

  • ausgeprägte Kammbildung, dazu evtl. Fettfalten

  • nicht mehr tastbare Rippen und breiter Rücken mit tiefer Rinne

  • nicht mehr tastbare Hüfthöcker und tiefe Spalte in der Kruppe

 (Quelle: Body Condition Scoring-System für Pferde von Carroll & Huntington, 1988, verändert)

 

Die erste Übersicht zur Beurteilung in sechs Kategorien wurde von Dr. Christine Schramme weitergeführt, woraus sich ein Bewertungsschema mit 9 Kategorien und weiteren Bewertungskriterien für den BCS ergibt.

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