Neuer Blog-Artikel: Pferdehaltung

Artgerechte pferdehaltung

von Carolin Caprano

Das natürliche Verhalten der Pferde zu kennen ist eine der wichtigsten Voraussetzung, um ihnen eine artgerechte Haltung und einen artgerechten Umgang zu ermöglichen. Darüber informiert zu sein ist deshalb die Pflicht eines jeden, der die Verantwortung für diese wundervollen Tiere übernehmen möchte.

 

Unter natürlichen Bedingungen verbringt ein Pferd etwa 50 – 70% eines Tages mit Fressen, gefolgt von Stehen im Wachzustand oder Dösen mit 5 – 20%. Dazu kommen 5 – 15%, welche die Fortbewegung einnehmen.

Aus diesen Fakten ergeben sich eigentlich schon einige Konsequenzen für den Umgang und die Haltung in „Gefangenschaft“ und sind doch nur ein(!) Beispiel. Eine große Abweichung der einzelnen Aktivitäten der Pferde im Verhältnis zu ihrem natürlichen Tagesablauf führt meist zu mangelnder Bedürfnisbefriedigung. Solche Abweichungen sind deshalb auch die Hauptursache von Verhaltensstörungen.

 

So sollte man zum Beispiel bedenken, dass Pferde eigentlich Tiere der Steppe sind, dementsprechend von Natur aus gut mit großen Temperaturschwankungen zurechtkommen mussten und so eine hervorragende Thermoregulation entwickelten. Die ständige Frischluft erhielt die Lungen gesund. Genauso, wie das Pferd mit bis zu 16 Stunden Schritt am Tag ständig in Bewegung war und so seine Gelenke, Muskulatur, Sehnen und Bänder stärkte. Es hatte zudem immer die Möglichkeit dazu, sehr unterschiedliches und vor allem rohfaserreiches Futter vom Boden aufzunehmen, was zum einen eine gute Verdauung, zum anderen aber auch eine gestärkte Rückenmuskulatur und dauernde Beschäftigung garantierte.

 

Heute stehen die meisten Pferde vorwiegend in einem Stall und müssen oft auf die natürlichen Gegebenheiten verzichten, die das eigene Immunsystem stabil und stark machen. Deshalb sollten wir einige Punkte bei der Pferdehaltung unbedingt beachten:

 

In einem Pferdestall sollte immer ein gutes Klima bzw. eine gute Luftqualität durch Frischluftzufuhr herrschen. Ausgenommen ist hier die Zugluft, denn diese würde wiederum auch krank machen.

 

Dazu sollte die Umgebung möglichst staubfrei sein, denn die Lungen der Pferde reagieren auf Ammoniak, Staub, Schimmelpilzsporen etc. sehr empfindlich. Pferden die in reiner Boxenhaltung stehen und oftmals nicht mal ein Fenster zum rausschauen haben, verwehrt man hier ein wichtiges Lebenskriterium.

 

Auch Sonnenlicht gehört zu den natürlichen Bedürfnissen des ehemaligen Steppenbewohners. Der gesamte Stoffwechsel braucht das natürliche Licht um richtig zu funktionieren, genauso wie das Gemüt des Tieres davon beeinflusst wird.

 

Eine gewisse Akustik ist ebenso ein Bestandteil des Alltags eines Pferdes. Hier sind jedoch keine lärmenden Autos oder kreischenden Maschinen gemeint, sondern der ganz natürlicher Geräuschpegel der Natur.

 

Dazu kommt, dass es nicht unbedingt damit getan ist vielleicht einmal am Tag zum Stall zu kommen, eine Stunde zu Reiten und wieder zu gehen. Pferde brauchen viel mehr Bewegung um gesund zu bleiben. Ideal ist es, wenn zusätzlich zum Reiten viel Koppelgang auf dem Programm steht. Hier können sich die Tiere kontinuierlich vorwärtsbewegen, denn selbst beim Grasen bleiben sie ja nicht nur auf einer Stelle stehen, sonder bewegen sich langsam vorwärts. Auf der Weide können sie sich also ausgiebig bewegen und zudem noch Sozialkontakte pflegen.

 

Da Pferde Herdentiere sind, ist auch der soziale Umgang miteinander ein absolutes Muß, um sich „pferdemäßig“ wohlzufühlen. Gegenseitiges putzen, schmusen, beknabbern oder miteinander über die Weide galoppieren gehört in einer Pferdeherde unbedingt dazu und ist sehr wichtig für eine ausgeglichene Psyche.

 

Der letzte große Punkt in der artgerechten Haltung ist die Fütterung. Jeder Pferdehalter sollte sich auch mit diesem Thema auseinandersetzen und wissen, welches Futter und welche Inhaltsstoffe für die Tiere wichtig sind. So sollte man bedenken, dass Rauhfutter in der Pferdefütterung eine weitaus wichtigere Rolle spielt als zum Beispiel das Kraftfutter, das vor allem leistungsgemäß angepasst werden muss.

 

Es wurde ja schon besprochen, dass ein Pferd in freier Natur einen Großteil des Tages mit Fressen verbringt, also kontinuierlich kleine Mengen Nahrung aufnimmt. Heu und Stroh sind dabei bestens geeignet, um diesen Bedarf zu decken. Kraftfutter spielt vor allem dann eine Rolle, wenn das Pferd große Leistung bringen muss, wie zum Beispiel im Reitsport.

 

Rationen sollten im Idealfall immer auf Rasse, Gewicht, Alter und Leistung hin abgestimmt werden und individuell errechnet werden. So kann man am besten vermeiden, dass Über- oder Unterversorgungen entstehen und zudem sicherstellen, dass die Fresszeit lang genug ist.

 

Wie man sieht sind die Ansprüche bei an eine artgerechte Pferdehaltung relativ groß, jedoch eigentlich nicht schwer umzusetzen. Vor allem lohnt es sich, wenn man bedenkt wie vielen Problemen und Erkrankungen man somit vorbeugen kann. Angefangen von Atemwegsproblematik durch z.B. reine Boxenhaltung oder Matratzeneinstreu, über Erkrankungen des Bewegungsapparates durch zu wenig oder zu viel Belastung und Bewegung, bis hin zu Verdauungsstörungen durch falsche Fütterung.

 

Auch psychischen Erkrankungen kann man durch entsprechender Bedürfnisbefriedigung ideal entgegenwirken und Verhaltensstörungen wie „Koppen“ oder „Weben“ würde kaum noch ein Problem in unseren Pferdeställen bedeuten.

Wir sehen also, es ist nichts unerlässlicher, als unseren Tieren wenigstens annähernd das zu bieten, was die Natur ursprünglich für sie vorgesehen hat.

 

Die wichtigsten Stichpunkte hier noch einmal in der Übersicht:

- gutes Stallklima bzw. gute Luftqualität durch Frischluftzufuhr

(jedoch keine Zugluft!)

- möglichst staubfreie Umgebung

- viel Sonnen-Licht

- Akustik (auch Pferde brauchen [natürliche] Geräusche)

- viel Bewegung

- Sozialkontakt mit Artgenossen

- artgerechte und gesunde Fütterung

 

Textauszug aus meinem Buch "Erste Hilfe für Pferde: Mit nützlichen Tipps aus der Naturheilkunde"

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