Neuer Blog-Artikel: Sattelkontrolle mit dem Impression Pad

Wenn der Sattel zwickt...

tipps und tricks zur beurteilung des Pferdesattels

von Carolin Caprano

In Schuhen die drücken läuft es sich nicht gut, das wissen wir alle. Deshalb probieren wir an und testen, ob sie passen und wir bequem darin laufen können. Auch mit der restlichen Kleidung machen wir das so. Vor allem wenn es um Sport-Equipment geht, steht Passform und Komfort an oberster Stelle. Unseren Pferden geht es da aber nicht anders.

 

Heutige Haus- bzw. Reitpferde benötigen den Rücken nicht mehr nur für das Tragen der eigenen Eingeweide und zur Stabilisation des Rumpfes, sondern auch um einen Reiter damit zu tragen. Um dies überhaupt möglich zu machen hat das Pferd neben der Wirbelsäule sehr kräftige Muskeln und Bänder. Pferde die geritten werden, tragen in den meisten Fällen einen Sattel und der muss passen.

 

Ganz verschiedene Ursachen führen beim Pferd zu Schmerzen im Rücken und dies wiederum zu Rittigkeitsproblemen, Leistungsschwäche oder kompletter Leistungsverweigerung. Ein großer Faktor ist dabei aber die Ausrüstung. Ist der Sattel nicht passend für das jeweilige Pferd ausgewählt, kommt es zum Satteldruck.

 

Satteldruck entsteht dann, wenn ein Sattel dem Pferderücken (Sattellage) nicht genau passt. An den Auflagestellen des Sattels gibt es dann schmerzhaften Druck. Aber nicht nur, wenn der Sattel nicht richtig passt kommt es zu Druckstellen, sondern auch dann, wenn er nicht korrekt aufgelegt wurde oder die Sattelunterlage (Satteldecke/Schabracke) nicht glatt auflag oder extrem verschmutzt war. Genauso können durch den Gurt empfindliche Stellen auftreten, wenn die Gurt-Schnallen auf der Haut reiben. Eine weitere Ursache sind Sitzfehler beim Reiten.

 

Erste Anzeichen für Satteldruck sind aufgeraute und zerzauste oder sogar abgebrochene Haare, wenn man nach dem Reiten den Sattel abnimmt. Dass ein Sattel nicht richtig passt, erkennt man auch, wenn das Schweißbild auf der Sattellage nicht gleichmäßig ist. Betroffene Areale auf dem Pferdekörper können sich bei Berührung schmerzhaft und/oder geschwollen zeigen. Eventuell fallen an der Druckstelle auch die Haare aus und wenn sie wieder nachwachsen sind sie durch die Hautschäden meist sehr viel heller bis weiß (gut zu sehen bei dunkel gefärbten Pferden).

 

Was muss man bei der Wahl des richtigen Sattel und seiner Passform alles beachten?:

  • Der Sattel soll symmetrisch sein. Dazu auch die Unterseite begutachten.
  • Sattel ohne Satteldecke auf das Pferd legen.
  • Der Sattel sollte von der Länge her nicht über den Ansatz des letzten Rippenbogens hinwegragen.
  • Zwischen Wiederrist und Vorderzwiesel sollte vier Finger hoch Platz sein. Wird der Sattel angegurtet und sitz der Reiter auf, sollten noch mindestens ein bis zwei Finger hoch Platz sein.
  • Die Wirbelsäule muss auf der ganzen Länge frei sein. Zur Kontrolle stellt man sich hinter das Pferd und schaut zwischen den Sattelkissen (Wirbelkanal) hindurch. Dabei sollte Licht unter dem Sattel durchfallen können.
  • Unter das Sattelblatt greift man, um zu prüfen ob das Sattelkissen auf beiden Seiten komplett auf dem Rücken aufliegt. Die Sattelkissen dürfen dabei nicht seitlich auf den Widerrist drücken.
  • Für den richtigen Schwerpunkt, sollte der tiefste Punkt der Sitzfläche direkt über dem Bügelschloss liegen.

 

Ein tolles Hilfsmittel ist zudem das sogenannte Impression Pad. Es gibt Tierheilpraktiker, Tierphysiotherapeuten und Sattler, die einen Check mit diesem speziellen Pad anbieten, aber man kann es sich auch selbst kaufen.

Das Impression Pad ermöglicht eine Kontrolle der Sattelpassform in Bewegung unter dem Reiter in Schritt, Trab und Galopp.

Mit Hilfe des speziellen Sattelpads, das mit einem thermosensitiven Gel gefüllt ist, lässt sich die Passform des Sattels genau überprüfen. Es können eventuell vorhandene Druckspitzen, Brücken oder andere Mängel in der Passform festgestellt werden.

 

Die Anwendung ist dabei wirklich einfach:

Das Impression Pad wird wie eine Satteldecke unter den Sattel gelegt und  das Pferd dann auf beiden Händen gleichmäßig ca. 30 Minuten in Schritt, Trab und Galopp geritten. Nach Abnehmen des Sattels sind die Abdrücke, die das Pad zeigt, sofort erkennbar und entsprechend auswertbar.

Eine Überprüfung des Sattels hat gleich mehrere Vorteile. Man bekommt Aufschluss darüber, ob der Sattel wirklich passt. Dabei muss man auch bedenken, dass sich der Pferderücken im Laufe seines Lebens und je nach Trainingssituation stetig verändern kann. Deshalb kann eine Testung des Sattels für folgende Themen empfohlen werden:

  •  Routine-Check der Passform eines vorhandenen Sattels
  •  Überprüfung der Passform bei einem Sattelneukauf
  •  Überprüfung des Sattels als eventuelle Ursache bei Rückenproblemen oder anderen Auffälligkeiten
  •  Überprüfung des Reitersitzes oder des Pferdes auf „Schiefe“

Falls der Sattel passt, kann er als Ursache für Rittigkeits- oder Rückenprobleme des Pferdes ausgeschlossen werden.

 Sollte er nicht passen, kennt man nun genau die Stellen, an denen "der Schuh drückt" bzw. wo die Schwachstellen des Sattels liegen. Mit Hilfe der Ergebnisse kann auch der Sattler den Sattel bei Bedarf einfach und genau korrigieren.

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sibylle Wiemer (Donnerstag, 27 Juli 2017 01:14)

    Hallo, Danke für den Blog. Genau mein Erleben... so viele frustriere Reitschüler, die keinen passenden Sattel finden oder niemanden, der passgenau anpassen kann.
    Ich habe mit dem Hause Kieffer den Move entwickeln können, ein Sattelkonzept, dass viel Bewegungsfreiheit für den Reiter und für das Pferd zulässt.
    Der könnte auch für Ihre Kunden interessant sein.
    liebe Grüße Sibylle Wiemer

  • #2

    Carolin (Donnerstag, 27 Juli 2017 09:30)

    Hallo Sybille, vielen Dank für dein Feedback. Was du schreibst, bestätigt also meine Erfahrungen. Umso interessanter zu lesen, dass du dich so aktiv an der Entwicklung eines neuen Sattelkonzeptes beteiligt hast. Das findet bestimmt viel Zuspruch und kann für viele Reiter wirklich interessant sein!!